
Neuer Wolfsmanagementplan: Richtiger Schritt mit Nachbesserungsbedarf
Das Forum Natur Brandenburg bewertet den Entwurf des neuen Wolfsmanagementplans als wichtigen Schritt, fordert jedoch Nachbesserungen beim Herdenschutz und der Bestandsregulierung.
(Potsdam, 12. August 2026) Das Forum Natur Brandenburg e.V. bewertet den Entwurf für einen revierübergreifenden Managementplan zur Bejagung des Wolfes als wichtige Grundlage für ein praxistauglicheres Wolfsmanagement. Insbesondere die Möglichkeit, künftig bereits nach einem ersten bestätigten Übergriff auf eine ordnungsgemäß geschützte Weidetierherde die Bejagung zuzulassen, ist gegenüber der bisherigen Brandenburgischen Wolfsverordnung ein deutlicher Fortschritt. Auch die vorgesehene Nutzung von Nachtzieltechnik und die Möglichkeit, mehrere schadensverursachende Wölfe zu entnehmen, können den Vollzug verbessern.
„Entscheidend ist, dass aus dem Wolf nun tatsächlich auch eine Wildart wird, deren Bestand und Verhalten beeinflusst werden können. Der Entwurf macht dabei einen wichtigen Schritt. An einigen entscheidenden Stellen bleibt er aber noch auf halbem Weg stehen.“ so Dr. Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg e.V.
Insbesondere fehlt aus Sicht des Forums Natur Brandenburg e.V. eine Regelung für einen unmittelbaren, aktiven Herdenschutz. Nach dem Entwurf muss zunächst ein Weidetier durch einen Wolf verletzt oder getötet worden sein, bevor nach Meldung, Bestätigung und Bekanntgabe des Interventionsgebietes eine Bejagung möglich wird. Das ist zu bürokratisch. Sobald ein Wolf ordnungsgemäßen Herdenschutz überwindet, müssen vor Ort Jagdausübungsberechtigte unmittelbar eingreifen und den Wolf erlegen dürfen. Auch vor dem Hintergrund des europäischen Tierschutzrechts darf nicht erst die Verletzung oder Tötung eines Weidetieres abgewartet werden, bevor wirksame Maßnahmen möglich werden.
Nachbesserungsbedarf besteht zudem beim Umgang mit Wölfen, die gegenüber Menschen ihre natürliche Distanz verlieren. Die bisherige Wolfsverordnung enthält hierfür konkrete Kriterien; vergleichbar klare Regelungen fehlen im neuen Managementplan.
Dazu Gernot Schmidt, Vorsitzender des Forums Natur Brandenburg e.V.: „Gerade beim Schutz von Menschen darf es keinen Rückschritt geben. Für einen Wolf, der Menschen aktiv bedrängt, sich ihnen wiederholt auf geringe Entfernung nähert oder aggressives Verhalten zeigt, brauchen Polizei, Jagdausübungsberechtigte und Behörden einen eindeutigen Handlungsrahmen.“
Positiv bewertet das Forum Natur Brandenburg e.V., dass der Wolfsmanagementplan erstmals ausdrücklich eine bestandsregulierende Bejagung vorsieht. Allerdings ist diese nach dem derzeitigen Entwurf noch nicht vollziehbar. Das Bundesrecht unterscheidet zwischen der Entnahme von Problemwölfen und einer bestandsregulierenden Bejagung. Brandenburg muss deshalb neben der Schadwolfentnahme nun auch die Voraussetzungen für eine aktive Regulierung des Wolfsbestandes schaffen.
Kritisch wird die für das Jagdjahr 2026/27 vorgesehene Begrenzung der schadensbezogenen Entnahmen auf landesweit zehn Wölfe gesehen. Warum gerade diese Zahl angesichts des Wolfsbestandes und des Schadensgeschehens angemessen sein soll, ist nicht nachvollziehbar. Eine fachliche Begründung enthält der Arbeitsentwurf bislang nicht.
Auch der vorgesehene Interventionsradius von lediglich einem Kilometer wird einem Flächenland wie Brandenburg und den Aktionsräumen von Wölfen nicht gerecht. Aus Sicht des Forum Natur Brandenburg e.V. sollte hier grundsätzlich die Regelung im Bundesjagdgesetz der Maßstab sein und ein Radius von bis zu zwanzig Kilometern um den Schadensort gelten. Daher sind bei der Überarbeitung des Managementplans die erweiterten Möglichkeiten des Bundesjagdrechts konsequent auszuschöpfen. Dazu gehört auch die Option, gegebenenfalls mehrere Tiere oder ganze Rudel ohne individuelle Zuordnung eines einzelnen Schadensverursachers zu entnehmen.
Grundlage eines belastbaren Wolfsmanagements müssen zugleich verlässliche Bestandsdaten sein. Das Forum Natur Brandenburg e.V. fordert deshalb eine Weiterentwicklung des aktuellen, lückenhaften Wolfsmonitorings durch systematische Einbeziehung der Jägerschaft. Deren flächendeckende Präsenz und Kenntnisse vor Ort müssen stärker genutzt werden, um Bestandsentwicklung und Verbreitung der Wolfspopulation realitätsnah abzubilden. Belastbare Monitoringdaten sind insbesondere für eine künftige aktive Bestandsregulierung unverzichtbar.
„Brandenburg hat jetzt die Chance, einen wichtigen ersten Schritt in Richtung Wolfsmanagement zu machen. Dazu muss der weiterhin unabdingbare Herdenschutz ergänzt werden durch rechtssichere und unbürokratische Entnahmemöglichkeiten. Voraussetzung hierfür ist, dass das Land den Herdenschutz auch weiterhin umfassend fördert und Wolfsrisse entschädigt. Darüber hinaus müssen Maßnahmen des zumutbaren Herdenschutzes auf das bundesrechtlich zulässige Niveau beschränkt werden, um Weidetierhalter nicht zu überfordern. Das Forum Natur Brandenburg e.V. wird sich für einen Managementplan einsetzen, der den günstigen Erhaltungszustand des Wolfs sichert, zugleich aber die Belange von Weidetierhaltung, Land- und Forstwirtschaft, Jagd und der Menschen im ländlichen Raum gleichberechtigt berücksichtigt.“ meint Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbands e.V.