
Jagdstrecken: Zehn-Jahres-Vergleich zeigt deutlichen Rückgang
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Schalenwildstrecken sind langfristig deutlich rückläufig. Leichte Zuwächse bei Reh- und Damwild sind keine Trendwende. Der LJVB sieht weiterhin dringenden Handlungsbedarf.
(Michendorf, 6. Oktober 2026) Die gestern vom Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV) veröffentlichten Jagdstrecken für das Jagdjahr 2025/26 geben aus Sicht des Landesjagdverbandes Brandenburg e.V. (LJVB) weiterhin Anlass zur großen Sorge. Zwar sind die Strecken bei Reh- und Damwild gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen, der Blick auf die vergangenen zehn Jahre zeigt bei den Schalenwildstrecken jedoch weiterhin einen deutlichen Rückgang.
Insgesamt wurden im Jagdjahr 2025/26 116.471 Stück Schalenwild erlegt beziehungsweise als Fall- und Unfallwild der Jagdstrecke zugeordnet. Das sind 2.698 Stück beziehungsweise rund zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Die Schwarzwildstrecke sank um rund acht Prozent, beim Rotwild betrug das Minus drei Prozent. Beim Rehwild stieg die Strecke dagegen um rund vier Prozent, beim Damwild um rund sechs Prozent.
Zehn Jahre zeigen eine deutliche Entwicklung
Besonders deutlich wird die Entwicklung im Zehn-Jahres-Vergleich. Beim Rotwild sank die Jagdstrecke von 10.272 Stück im Jagdjahr 2015/16 auf aktuell 6.015 Stück. Das entspricht einem Rückgang von 41,4 Prozent. Beim Damwild ging die Strecke im gleichen Zeitraum von 12.451 auf 7.833 Stück und damit um 37,1 Prozent zurück.
Auch beim Rehwild relativiert der langfristige Blick das aktuelle Plus. Wurden 2015/16 noch 67.863 Stück registriert, waren es im vergangenen Jagdjahr 47.141 Stück – ein Rückgang um 30,5 Prozent.
Besonders drastisch ist die Entwicklung beim Muffelwild. Die Strecke sank innerhalb von zehn Jahren von 825 auf nur noch vier Stück – ein Rückgang um 99,5 Prozent.
Dr. Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des LJVB: „Ein Plus von vier Prozent beim Rehwild oder rund sechs Prozent beim Damwild gegenüber dem Vorjahr darf nicht darüber hinwegtäuschen, was sich langfristig abzeichnet. Innerhalb von zehn Jahren ist die Rotwildstrecke um mehr als 40 Prozent, die Damwildstrecke um mehr als ein Drittel und die Rehwildstrecke um rund 30 Prozent zurückgegangen. Diese Entwicklung muss ernst genommen werden.“
Der LJVB warnt deshalb davor, Wildbestände weiterhin vorrangig unter dem Gesichtspunkt möglichst hoher Abschüsse zur Unterstützung des Waldumbaus zu betrachten. Wald und Wild dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Angesichts der langfristig deutlich rückläufigen Jagdstrecken müssen bisherige Bejagungsstrategien kritisch hinterfragt und weitere Einflussfaktoren auf unsere Schalenwildpopulationen stärker berücksichtigt werden.
Dazu gehört ausdrücklich auch der Wolf als Prädator unserer heimischen Schalenwildarten. Ein modernes Wildtiermanagement darf dessen Einfluss auf Wildbestände, Wildverteilung und das Verhalten des Schalenwildes nicht ausblenden. Aus Sicht des LJVB braucht Brandenburg deshalb neben regional angepassten Bejagungskonzepten für Schalenwild, ausreichend Äsungsflächen, Wildruhezonen und funktionierenden Wanderkorridoren auch ein aktives Wolfsmanagement einschließlich einer regulären Bejagung des Wolfes im rechtlich zulässigen Rahmen.
Niederwild braucht Lebensraum
Auch beim Niederwild zeigt sich Handlungsbedarf. Die Gesamtstrecke sank gegenüber dem Vorjahr um rund 19 Prozent. Entscheidend für die Zukunft dieser Arten sind jedoch vor allem geeignete Lebensräume und eine konsequente Prädatorenbejagung. Strukturreiche Agrarlandschaften mit Hecken, Brachen, Blühflächen sowie ausreichend Deckungs- und Rückzugsräumen sind die Grundlage für den Erhalt von Niederwild, Bodenbrütern und zahlreichen weiteren Arten.
Gerade im Jahr des Rebhuhns 2026 setzt sich der LJVB deshalb verstärkt für die Verbesserung und Vernetzung solcher Lebensräume ein.
Prädatorenmanagement bleibt unverzichtbar
Auch die Raubwildstrecke ging deutlich zurück. Insgesamt wurden 66.393 Stück registriert – rund neun Prozent weniger als im Vorjahr. Während die Rotfuchsstrecke mit 22.214 Stück leicht um rund ein Prozent zunahm, sank beim Dachs um rund vier Prozent.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den invasiven Arten. Nach dem Allzeithoch im Vorjahr sank die Waschbärstrecke um rund 14 Prozent auf 37.481 Stück. Beim Marderhund wurden mit 2.348 Stück rund 17 Prozent weniger registriert, beim Mink ging die Strecke um rund 27 Prozent zurück. Trotzdem machen Waschbär, Marderhund und Mink weiterhin rund 60 Prozent der gesamten Raubwildstrecke Brandenburgs aus.
Für den LJVB bleibt deshalb ein konsequentes Prädatorenmanagement einschließlich der Fangjagd ein unverzichtbarer Bestandteil des praktischen Artenschutzes. Insbesondere Bodenbrüter und andere gefährdete Arten der Kulturlandschaft profitieren von einer intensiven Bejagung invasiver Prädatoren.
Auch bei Nutria und Bisam engagiert sich die Jägerschaft nach deren Herausnahme aus dem Jagdrecht weiterhin. Im Jagdjahr 2025/26 wurden durch Jägerinnen und Jäger 3.660 Nutria und 44 Bisam entnommen. Die Gewässerunterhaltungsverbände entnahmen zusätzlich 2.058 Nutria und 310 Bisam.
