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Informationsseite: Notzeit für Wildtiere


Die aktuelle Eis- und Frostlage erschwert Wildtieren den Zugang zu Nahrung erheblich. Auf dieser Seite finden Sie Informationen zur Notzeit in den betroffenen Landkreisen sowie Hinweise zum richtigen Verhalten und zur tierschutzgerechten Unterstützung und Fütterung von Wildtieren.
  1. Welche Landkreise sind aktuell betroffen?

Auf Grundlage der aktuellen Witterungssituation und behördlicher Entscheidungen gelten derzeit Notzeiten für folgende Landkreise in Brandenburg:

(Stand: 18.02.2026, 13:30 Uhr)

 

Weitere Landkreise prüfen derzeit anhand eigener Lagebeurteilung und Prognosen, ob eine Notzeit ausgerufen werden soll. Aktuelle Informationen erhalten Sie über Ihre untere Jagdbehörde.

 

  1. Was ist eine Notzeit?

Eine Notzeit ist eine zeitlich begrenzte, behördlich festgelegte Ausnahme in der jagdlichen Praxis, die nur bei außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen ausgerufen wird.

Ziel ist es, Wildtieren in einer Extremsituation tierschutzgerecht zu helfen, wenn der Zugang zu natürlicher Nahrung blockiert ist und vermeidbares Leiden droht.

Typische Auslöser:

✔️ Flächendeckende Eisschichten

✔️ Dauerhafte Frostlagen mit Glatteis, die Nahrung unzugänglich machen

 

Konsequenz der Notzeit:

Jägerinnen und Jäger dürfen in dieser Zeit Wildtiere gezielt und verantwortungsvoll füttern, um akutes Leid zu verhindern.

 

  1. Was gilt es zu beachten?
  • Grundsätze

Die Notzeit ist kein Dauerzustand, sondern eine zeitlich begrenzte Maßnahme für außergewöhnliche Lagen. Jagdausübungsberechtigte sind verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen umzusetzen. Die Fütterung hat dabei art- und tierschutzgerecht zu erfolgen. Um Lockeffekte und größere Ansammlungen zu vermeiden, sind mehrere, räumlich verteilte Fütterungsstellen einzurichten. Der Abschuss von Wild ist in einem Umkreis von 200 Metern um Fütterungsstellen untersagt. Der Landesjagdverband Brandenburg empfiehlt darüber hinaus eine großflächige Jagdruhe; Bewegungsjagden sind während der Notzeit grundsätzlich untersagt. Der Einsatz von mechanischen Fütterungseinrichtungen ist ebenfalls untersagt.

  • Umgang draußen

Bitte erinnern Sie auch Waldbesucher, bei Notzeiten:

  • auf Wegen zu bleiben
  • Hunde an der Leine zu führen
  • Ruhe zu wahren, um Energieverlust bei Wildtieren zu vermeiden

 

  1. Anleitung zur Notzeitfütterung für Wildtiere
  • Wo sollte gefüttert werden?

Futterstellen sollten:

  • nicht am Waldrand direkt an Wegen, Straßen oder Siedlungen liegen
  • in strukturreichen Bereichen eingerichtet werden
  • nach Möglichkeit windgeschützt, ohne zusätzliche Störung

Sinnvoll sind Plätze, wo Wildtiere sowieso aktiv sind, z. B.:

  • Übergänge zwischen Waldrand und Offenland
  • ehemalige Äsungsflächen, die jetzt vereist sind

 

  • 🌾 Was sollte gefüttert werden?

Futter muss naturnah, einfach und verdauungsfreundlich sein — kein Kraftfutter für Haus- oder Nutztiere! Das Futtermittel für wiederkäuendes Schalenwild sollte sich aus Raufutter (Heu und Grassilage) sowie Saftfutter (Futterrüben und Mohrrüben) zusammensetzen. Schwarzwild wird ausschließlich mit Mais, Getreide und Baumfrüchten gefüttert.

Empfohlen:

✔️ Heu oder Grassilage (unbedingt auf gute Qualität achten – Netz oder Schnur unbedingt entfernen)

✔️ Saftfutter (Futterrüben und Mohrrüben)

✔️ Getreide (Hafer, Gerste, Weizen, Roggen) in geringsten Mengen

✔️ Mais (nur in geringen Mengen und getrocknet)

Nicht geeignet:

❌ Stroh

❌ Brot, Backwaren, Küchenabfälle

❌ alle stark verarbeiteten Futtermittel

❌ Kraftfutter oder Futter für Haus- und Nutztiere

 

  • Wann aufhören?

Die Notzeit endet, sobald die Lage sich:

  • verbessert (Eis weg, Nahrung erreichbar)
  • behördlich aufgehoben wird

 

Wildvögel nicht vergessen!

Auch viele heimische Wildvögel haben bei anhaltendem Frost und Eis Schwierigkeiten, Nahrung zu finden. Eine zeitlich begrenzte, sachgerechte Fütterung ist in dieser Phase sinnvoll.

✔️Geeignetes Futter: Sonnenblumenkerne (ungesalzen), Körner- und Sämereienmischungen für Wildvögel, Haferflocken (roh), Meisenknödel (ohne Netz!), Rosinen oder Beeren (kleingeschnitten, ungeschwefelt)

Nicht füttern: Brot oder Backwaren, Gesalzene oder gewürzte Speisen, Gekochte Essensreste

📍 Wo füttern: Übersichtlich und katzen- sowie raubtiersicher, möglichst erhöht (Futterhaus, aufgehängte Spender), regelmäßig sauber halten, um Krankheiten zu vermeiden

 

  1. Warum ist Notzeitfütterung tierschutzfachlich sinnvoll?

Wildtiere überleben den Winter durch Stoffwechselminderung, Ruhe und den Zugang zu Nahrung bei gleichzeitig geringem Energieverbrauch.

Flächendeckende Eisschichten verhindern den Zugang zur Nahrung und führen zu:

  • erhöhtem Energieverlust
  • Verletzungen durch Einbrechen in Eis
  • sinkender Überlebenschance

Notzeitfütterung mindert dieses Leid und entspricht tierschutzrechtlichen sowie wildbiologischen Grundsätzen.

 

  1. Ansprechpartner 

 

Untere Jagdbehörde Ihres Landkreises

→ Zuständig für Notzeit-Bewertung & -Anordnungen

Übersicht aller unteren Jagdbehörden

 

Landesjagdverband Brandenburg e.V.

→ fachliche Unterstützung / Rückfragen

📧 info@ljv-brandenburg.de

☎️ 033205- 2109- 0

 

Bitte beachten Sie generell die Allgemeinverfügung Ihres Landkreises (siehe oben)!

FAQ - Warum Notzeitfütterung sinnvoll ist

Was ist eine „Notzeit“?

Eine Notzeit wird von der zuständigen Behörde ausgerufen, wenn außergewöhnliche Witterungsbedingungen die Versorgung von Wildtieren so stark beeinträchtigen, dass vermeidbares Leiden droht. Sie ist zeitlich begrenzt und an die konkrete Lage vor Ort gebunden.

 

Warum ist Eis gefährlicher als Kälte?

Viele Wildtiere sind an winterliche Temperaturen gut angepasst. Problematisch sind meist nicht die Minusgrade an sich, sondern Situationen wie Glatteisregen: Dabei entsteht eine harte Eisschicht auf dem Boden – oft mehrere Zentimeter dick – und zwar nicht nur auf Wiesen und Äckern, sondern auch im Wald. Diese Eisdecke verhindert, dass Reh-, Rot- und Damwild an natürliche Nahrung wie Gräser, Kräuter, Knospen oder Bodenvegetation gelangen. Die Nahrung ist vorhanden, aber nicht erreichbar.

 

Was passiert mit den Tieren in solchen Lagen?

Wildtiere sparen im Winter Energie: Sie senken ihren Stoffwechsel, reduzieren Bewegungen und nutzen Reserven. Wenn sie jedoch wegen Eisflächen länger suchen oder flüchten müssen, steigt der Energieverbrauch stark an – ohne dass ausreichend Nahrung aufgenommen werden kann. Das führt zu einer negativen Energiebilanz, die sich bei länger anhaltender Vereisung schnell zuspitzt: Abmagerung, Erschöpfung und im Extremfall ein qualvoller Hungertod können die Folge sein.

 

Zusätzliches Risiko: Verletzungen durch Eis

Bei vereistem Untergrund brechen Tiere mit jedem Schritt ein. Das erhöht nicht nur den Kraftaufwand, sondern auch die Gefahr von Verletzungen an Läufen und Gelenken. Besonders kritisch ist das bei Fluchtbewegungen – etwa durch Störungen im Wald oder freilaufende Hunde.

 

Was ist das Ziel der Notzeitfütterung?

Notzeitfütterung ist kein Instrument zur Bestandsstützung und soll nicht dazu dienen, Wildtiere „anzulocken“. Ziel ist ausschließlich, in einer Extremsituation vorübergehend zu helfen und vermeidbares Leiden zu verhindern. Die Fütterung erfolgt dabei mit artgerechtem Futter (z. B. Heu, Getreide) und so, dass Störungen minimiert werden.

 

Warum spielt die Kulturlandschaft eine Rolle?

In Deutschland leben Wildtiere nicht in unberührter Wildnis, sondern in einer vom Menschen stark geprägten Kulturlandschaft mit Straßen, Siedlungen, Landwirtschaft und intensiv genutzten Wäldern. Natürliche Ausweichmöglichkeiten sind oft eingeschränkt. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung, in Ausnahmelagen tierschutzgerecht zu handeln.

 

Was können Naturbesucher beitragen?

Gerade in Notzeiten ist Ruhe entscheidend. Bitte auf den Wegen bleiben, leise verhalten und Hunde anleinen. Jede Beunruhigung kostet Wildtiere zusätzliche Energie und erhöht das Verletzungsrisiko auf Eisflächen.

 

Kurz gesagt:

Nicht der Frost ist das Hauptproblem – sondern Eis, das Nahrung unzugänglich macht. Notzeitfütterung ist dann eine zeitlich begrenzte Tierschutzmaßnahme.