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Wildtierbestände im Sinkflug – Warnungen der Jägerschaft werden traurige Realität


MLEUV veröffentlicht Jagdstrecke 2024/25. Rot-, Dam- und Rehwild gehen teils weiter dramatisch zurück. Die Ursachen liegen auf der Hand: eine unregulierte Wolfspopulation und eine Forstpolitik, die Wildtiere zum Sündenbock macht.

(Michendorf, 5. Dezember 2025) Die gestern vom Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV) veröffentlichte Jagdstrecke 2024/25 zeigt deutlich: Brandenburgs Wildtierbestände befinden sich im freien Fall. Die Jägerinnen und Jäger des Landes sehen sich in ihren Warnungen bestätigt – und schlagen Alarm.

Laut Ministerium sind die Strecken bei Rotwild, Rehwild und Damwild weiterhin zum Teil deutlich zurückgegangen:

  • Rotwild: –7 % (minus 438 Stück zum Vorjahr)
  • Damwild: –16 % (minus 1.430 Stück zum Vorjahr)
  • Rehwild: –7 % (minus 3.577 Stück zum Vorjahr)

Diese Rückgänge sind kein kurzfristiges Phänomen, sondern spiegeln die Realität seit über einem Jahrzehnt wider. In zahlreichen Landesteilen sind die Bestände so geschrumpft, dass Jägerinnen und Jäger kaum noch in der Lage sind, die behördlich festgelegten Abschusspläne zu erfüllen. Das fortwährende Gerede von Landesbehörden und Teilen der Waldbesitzerschaft über angeblich „überhöhte Wildbestände“ ist damit erneut und eindeutig widerlegt.

 

Zwei Ursachen sind klar erkennbar – und beide seit Jahren bekannt

  1. Die Wolfspopulation ist außer Kontrolle geraten

Mit weit über 1.500 Wölfen in Brandenburg – real deutlich mehr als die offiziellen Zahlen nahelegen – ist der Druck auf Reh-, Rot- und Damwild massiv. Die Prädation erreicht in manchen Regionen ein Niveau, bei dem eine stabile Wildpopulation nicht mehr möglich ist und der Druck auf Nutztiere daher weiter steigen wird.

 

  1. Verfehlte Forstpolitik verstärkt den Abwärtstrend

Statt gemeinsam Lösungen zu entwickeln, wurde über Jahre ein Schuldnarrativ zulasten des Schalenwildes aufgebaut. Einige Waldbesitzer und das Land forcierten eine Politik, die pauschal auf „Wald vor Wild“ setzt und ökologische Zusammenhänge ignoriert.

Statt jedoch auf kluge, integrative Konzepte für Wald und Wild zu setzen, wurde öffentlich über eine nahezu „Ausrottung“ oder maximale Reduktion“ von Wildbeständen fabuliert. Diese Sichtweise ist fachlich falsch und ökologisch gefährlich.

 

Besonders kritisch: genetische Verarmung beim Rotwild

Das Brandenburger Rotwild – die größte freilebende Wildart des Landes – befindet sich bereits jetzt in einer genetisch alarmierenden Situation. Durch künstlich gedrückte Bestände droht die genetische Vielfalt weiter zu erodieren, was langfristig ein echtes Aussterberisiko bedeutet. Fachlich renommierte Wildbiologen sprechen bereits vom Beginn eines Aussterbeprozesses, wenn die Entwicklung nicht aufgehalten wird.

 

Der LJVB fordert: Schluss mit Ideologie – Beginn einer verantwortungsvollen Wildtierpolitik

Die Vernichtung der Schalenwildbestände ist nicht der Schlüssel für erfolgreichen Waldumbau. Nachhaltiger Waldumbau gelingt nur mit einem gleichberechtigten Ansatz für Wald UND Wild, einer Wolfsregulation und einer Rückkehr zu faktenbasierter Wildbewirtschaftung.

Dr. Dirk- Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg (LJVB): „Was wir seit Jahren ankündigen, ist nun messbare Realität. Brandenburg verliert seine großen Wildarten – und die Politik schaut zu. Waldumbau gelingt nicht durch die Auslöschung von Wildtierbeständen, sondern nur durch ein intelligentes, ökologisch abgestimmtes Miteinander. Auch unser Rotwild hat eine Daseinsberechtigung.“

 

Der LJVB fordert daher:

  • Anpassung der Wolfsmanagementstrategie inklusive dauerhafter Bestandsregulation und einer Obergrenze
  • Stopp der pauschalen Schuldzuweisungen an Schalenwild
  • Entwicklung gemeinsamer, wissenschaftsbasierter und kluger Konzepte für Wald und Wild mit alternativen Äsungsangeboten und klugen Bejagungsstrategien
  • Schutz der genetischen Vielfalt des Rotwildes durch Wildwechselkorridore, Wildruhezonen und verlängerte Schonzeiten

Brandenburg braucht endlich eine Wildtierpolitik, die ökologisch, fachlich und langfristig denkt – statt auf einseitige Verantwortungszuschreibungen und massive Bestandsreduktionen zu setzen.