
Erster Landkreis ruft Notzeit für Wildtiere aus
Die anhaltende Glatteislage in Brandenburg stellt Wildtiere vor erhebliche Herausforderungen. Mit Oder-Spree hat der erste Landkreis reagiert und die Notzeit ausgerufen – ein Schritt, den der LJVB ausdrücklich begrüßt. Weitere Landkreise werden hoffentlich zeitnah folgen.
(Michendorf, 5. Februar 2026) Mit dem Landkreis Oder- Spree hat der erste brandenburgische Landkreis die Notzeit für Wildtiere ausgerufen. Der LJVB bewertet diese Entscheidungen als fachlich richtig, tierschutzrechtlich geboten und beispielhaft für verantwortungsvolles Verwaltungshandeln. Der Landkreis hat die aktuelle Wetterlage sorgfältig bewertet und entschlossen gehandelt, um vermeidbares Leid bei Wildtieren zu verhindern.
Gleichzeitig hebt der LJVB das koordinierende Handeln der Obersten Jagdbehörde im Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz hervor. Die frühzeitige Sensibilisierung der unteren Jagdbehörden, bei entsprechender Lage unverzüglich zu handeln, hat maßgeblich dazu beigetragen, dass nun schnell und an die lokalen Bedingungen angepasst reagiert werden kann.
Aktuell erleben unsere Wildtiere eine außergewöhnlich anspruchsvolle Situation. Temperaturen unter –10 Grad stellen dabei in der Regel nicht das größte Problem dar. Entscheidender ist vielmehr die derzeitige Witterungslage: Durch Glatteisregen hat sich flächendeckend eine 3 bis 5 Zentimeter starke Eisschicht gebildet – sowohl auf Freiflächen wie Wiesen und Äckern als auch im Wald. Diese Eisdecke macht die Nahrungssuche für Wildtiere nahezu unmöglich und birgt zugleich eine erhebliche Verletzungsgefahr, insbesondere bei Fluchtbewegungen.
Vor diesem Hintergrund ist das Ausrufen der Notzeit fachlich konsequent und tierschutzrechtlich zwingend. Sie ermöglicht es den Jägerinnen und Jägern, Wildtiere verantwortungsvoll mit artgerechtem Futter zu unterstützen. Dazu zählen beispielsweise Heu und Getreide, um das Überleben der Tiere in dieser Extremphase zu sichern.
Dr. Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg, erklärt dazu:
„Die Entscheidung des Landkreises Oder-Spree zeigt, dass verantwortungsvoller Tierschutz auf kommunaler Ebene funktioniert. Das schnelle und besonnene Handeln verdient große Anerkennung. Die aktuelle Eislage stellt für unsere Wildtiere eine extreme Belastung dar – es ist gut und richtig, dass nun entschlossen gehandelt wird. Wir sind zudem erfreut, dass sich weitere Landkreise, wie beispielsweise der Barnim, derzeit in der finalen Phase der Prüfung befinden, und hoffen, dass dort zeitnah ebenfalls eine Notzeit ausgerufen wird.“
Der Landesjagdverband Brandenburg wiederholt in diesem Zusammenhang seinen dringenden Appell an Wald- und Naturbesucher:
Bitte bleiben Sie auf den Wegen, verhalten Sie sich ruhig und führen Sie Hunde konsequent an der Leine. Der Stoffwechsel der Wildtiere ist im Winter stark reduziert, um Energie zu sparen. Jede unnötige Beunruhigung führt zu zusätzlichem Energieverlust und erhöht das Risiko von Verletzungen durch Flucht über vereiste Flächen.
Der LJVB begrüßt das vorbildliche Vorgehen des Landkreises Oder- Spree ausdrücklich und hofft, dass weitere Landkreise bei vergleichbarer Lage ebenso verantwortungsvoll handeln und diesem Beispiel folgen. Nach Kenntnis des LJVB befindet sich der Landkreis Barnim in der finalen Phase der Prüfung zur Ausrufung der Notzeit. Zudem haben die Landkreise Oberhavel und Märkisch-Oderland entsprechende Verwaltungsverfahren eingeleitet.